Müll in den Alpen – ein zunehmendes Problem

Müll in den Alpen
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Müll in den Alpen: Warum jeder Wanderer seinen Abfall wieder mitnehmen sollte
Wer in die Berge geht, sucht Ruhe, Natur und eine Landschaft, in der man den Alltag für einige Stunden hinter sich lassen kann. Umso ärgerlicher ist es, wenn zwischen Felsen, auf Sitzbänken oder am Wegesrand plötzlich Plastikverpackungen, Taschentücher, Kaffeebecher oder andere Hinterlassenschaften liegen. Müll in den Alpen ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Er belastet Natur und Tiere, verursacht erheblichen Aufwand für diejenigen, die die Wege und Hütten betreuen, und kann an manchen Stellen sogar die Sicherheit von Wanderern beeinträchtigen.
Dabei wäre die Lösung eigentlich denkbar einfach: Was man in die Berge mitnimmt, nimmt man auch wieder mit nach Hause oder ins Tal.
Das klingt selbstverständlich. Ist es aber offenbar nicht für alle.

Die Alpen sind kein Freiluft-Mülleimer
Wer einen Tagesausflug oder eine mehrtägige Wanderung unternimmt, hat normalerweise ohnehin einen Rucksack dabei. Darin finden Trinkflasche, Brotzeit, Regenjacke, Kamera und allerlei andere Dinge Platz. Auch die Verpackung des Müsliriegels, die Bananenschale, das Taschentuch oder der leere Kaffeebecher können dort noch ein paar Stunden bleiben.
Das Argument „Es gibt hier oben keinen Mülleimer“ ist deshalb eigentlich kein Argument gegen das Mitnehmen des eigenen Mülls. Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass man den Müll selbst wieder ins Tal bringen muss.

Und warum gibt es in den Bergen so wenige Mülleimer?
Weil eine regelmäßige Müllabfuhr auf einem Wanderweg schlicht nicht funktioniert. In der Stadt fährt ein Müllfahrzeug durch die Straßen, leert die Tonnen und ist kurze Zeit später wieder verschwunden. Auf einem Bergweg gibt es keine Straße für die Müllabfuhr. Ein Abfallbehälter müsste trotzdem regelmäßig geleert, der Müll abtransportiert und anschließend entsorgt werden. Bei abgelegenen Wegen bedeutet das: jemand muss zu Fuß hinaufgehen oder einen aufwendigen Transport organisieren.
Der fehlende Mülleimer ist also kein Freibrief zum Liegenlassen des Mülls. Er ist einer der Gründe, warum man seinen eigenen Abfall wieder mitnehmen sollte.

Wer räumt den Müll eigentlich weg?
Wenn Müll in den Bergen liegen bleibt, verschwindet er nicht einfach. Irgendjemand muss ihn einsammeln.
Auf bewirtschafteten Hütten sind es häufig die Hüttenwirte und ihre Mitarbeiter. Sie kümmern sich nicht nur um den Abfall, der in ihrer Hütte entsteht. Auch Verpackungen, Flaschen oder Kaffeebecher, die Wanderer außerhalb der Hütte zurücklassen, landen letztlich bei ihnen. Und das manchmal von Menschen, die in der Hütte nicht einmal etwas konsumiert haben.

Auch Wegewarte und Mitglieder von Wandervereinen oder Alpenvereinssektionen leisten regelmäßig Arbeit für die Wege und deren Umgebung. Sie kontrollieren Markierungen, reparieren Beschilderungen, halten Wege instand – und müssen dabei immer wieder Müll einsammeln.

Das kostet Zeit und Geld.
Zeit, die besser in die Pflege von Wegen, Brücken, Steigen und Beschilderungen investiert werden könnte. Geld, das ebenfalls für die Instandhaltung und Verbesserung der Wanderinfrastruktur gebraucht wird.
Besonders aufwendig wird es, wenn Müll aus entlegenen Gebieten abtransportiert werden muss. Ein voller Müllsack lässt sich nicht einfach nebenbei ins Tal fahren. Er muss getragen, eventuell mit einem Transportmittel befördert oder auf andere Weise aus dem Gelände geschafft werden.
Deshalb sollte man sich beim nächsten Wanderausflug ruhig einmal fragen: Warum sollte jemand anderes meinen Müll mehrere Kilometer zurück ins Tal tragen, wenn ich ihn selbst dort hinunterbringen kann?

Verschmutzung durch Fäkalien: Auch das gehört zum Müllproblem
Ein Thema, über das verständlicherweise nicht besonders gerne gesprochen wird, sind menschliche Hinterlassenschaften. Doch auch sie gehören zur Belastung stark frequentierter Wanderwege.
Wer unterwegs dringend eine Toilette benötigt und keine Hütte oder öffentliche Toilette in der Nähe hat, steht manchmal vor einem praktischen Problem. Gerade an beliebten Wegen kann es dann passieren, dass Fäkalien und Toilettenpapier in unmittelbarer Nähe des Weges zurückbleiben.
Das ist nicht nur unangenehm für nachfolgende Wanderer. Auch hygienische und ökologische Probleme können entstehen, insbesondere wenn sehr viele Menschen denselben Bereich nutzen.

Was kann man dagegen tun?
An stark frequentierten Ausgangspunkten, Parkplätzen und beliebten Wanderzielen sind ausreichend vorhandene Toiletten eine sinnvolle Maßnahme. Auch Hütten und andere Einrichtungen können dazu beitragen, dass Wanderer vorhandene Toiletten tatsächlich nutzen können.
Für abgelegene Wege braucht es dagegen vor allem Sensibilisierung und richtiges Verhalten. Wer keine andere Möglichkeit hat, sollte einen möglichst abgelegenen Ort abseits von Gewässern, Quellen, Rastplätzen und stark frequentierten Wegen wählen und die Hinterlassenschaft so hinterlassen, dass sie möglichst wenig Probleme verursacht.

Und was ist mit Hundekotbeuteln?
Für menschliche Hinterlassenschaften sind gewöhnliche Hundekotbeutel grundsätzlich keine ideale Standardlösung. Sie können zwar theoretisch dazu dienen, Toilettenpapier oder kleinere Mengen aufzunehmen, sind aber kein Ersatz für eine geeignete Toiletteninfrastruktur und müssen anschließend ebenfalls wieder mitgenommen werden. Außerdem sollte niemand einen gefüllten Beutel einfach irgendwo liegen lassen. Dann wurde das Problem lediglich in eine dünne Plastiktüte verpackt.
Bei Hundekot gilt dagegen ganz eindeutig: Hundekot aufnehmen, Beutel verschließen und mitnehmen. Auch hier ist der Beutel kein Müll, der am Wegesrand oder unter einem Stein deponiert werden darf.

Graffiti auf Felsen: Warum muss man eine Berglandschaft „verschönern“?
Noch unverständlicher wird es bei Graffiti auf Felswänden, Steinen oder anderen natürlichen Oberflächen.
Man kann darüber diskutieren, ob Graffiti in einer Großstadt Kunst sein kann. An einer dafür vorgesehenen Wand kann Street Art durchaus ihren Platz haben. Aber warum muss eine Felswand mitten in den Alpen mit einem Namen, einem Herzen oder irgendeinem Schriftzug versehen werden?

Wir sind hier aber nicht in der Großstadt.
Wer in die Berge kommt, tut dies doch gerade wegen der natürlichen Umgebung. Felsen, Wälder, Almen und Bergwege brauchen keine zusätzliche „Dekoration“. Eine mit Farbe besprühte Felswand ist keine Verbesserung der Landschaft, sondern eine dauerhafte Veränderung eines Naturraums.
Hinzu kommt: Graffiti lässt sich von einer Felswand nicht einfach wie ein Aufkleber abziehen. Eine Entfernung kann schwierig, teuer und unter Umständen selbst problematisch für die Oberfläche sein. Was jemand innerhalb weniger Minuten aufsprüht, kann andere Menschen lange beschäftigen.
Der Wunsch, seinen Namen oder ein Zeichen irgendwo zu hinterlassen, ist vielleicht menschlich. In den Bergen sollte dafür allerdings der Eintrag im Gipfelbuch reichen.

Aufkleber auf Wegweisern können gefährlich werden
Weniger auffällig, aber ebenfalls problematisch sind Aufkleber auf Wegweisern, Warnschildern und Informationstafeln.
Ein kleiner Sticker mag zunächst harmlos erscheinen. Doch viele Aufkleber übereinander können irgendwann wichtige Informationen verdecken. Und während sich die Person, die den Aufkleber anbringt, vielleicht genau erinnert, was darunter steht, gilt das für andere Wanderer nicht.

Keiner liest einen Aufkleber auf einem Warnschild, wenn er eigentlich die wichtige Information darunter sucht.
Besonders problematisch kann das bei Hinweisen auf gesperrte Wege, Absturzgefahr, Steinschlag, Lawinengefahr oder Umleitungen werden. Beschilderung ist nicht nur Dekoration. Sie dient auch der Orientierung und Sicherheit.
Wer einen Aufkleber auf ein Verkehrsschild kleben würde, würde vermutlich schnell verstehen, dass das keine gute Idee ist. Für ein Wegschild in den Bergen sollte eigentlich dasselbe gelten.

Kaffeebecher, Papier und Plastik auf der Sitzbank
Manchmal ist es nicht der große Müllsack, der stört, sondern die vielen kleinen Dinge.
Ein leerer Kaffeebecher bleibt auf der Sitzbank stehen. Ein Papiertaschentuch liegt daneben. Eine Plastikverpackung steckt zwischen zwei Brettern. Auf der nächsten Bank findet sich eine Getränkeflasche.

Warum?
Oft vermutlich nicht aus böser Absicht. Vielleicht denkt jemand: „Das wird schon jemand wegräumen.“ Oder: „Der Becher ist aus Papier, der verrottet doch.“ Oder: „Hier kommen doch ständig Leute vorbei.“

Genau daraus entsteht das Problem.
Ein einzelnes Stück Müll mag wenig erscheinen. Wenn aber hundert Menschen genauso denken, sieht der Rastplatz plötzlich entsprechend aus.
Besonders fragwürdig sind Hinterlassenschaften wie Damenbinden oder andere Hygieneartikel, die in Felsritzen, unter Büschen oder hinter Bänken deponiert werden. Solche Dinge gehören nicht in die Natur. Sie sind weder besonders appetitlich für den nächsten Wanderer noch verschwinden sie innerhalb weniger Stunden von selbst.

Warum lassen Menschen ihren Müll überhaupt liegen?
Die Gründe dürften unterschiedlich sein. Bequemlichkeit spielt sicher eine Rolle. Man möchte den Rucksack nicht mit einer leeren Verpackung belasten oder hat keine Lust, einen Kaffeebecher weiterzutragen.
Manche unterschätzen auch die Folgen. Was zu Hause selbstverständlich ist – Müll in den Abfalleimer – funktioniert in den Bergen nicht anders. Nur steht der Abfalleimer eben nicht alle 500 Meter.
Dazu kommt vielleicht ein weiterer Effekt: Je sauberer eine Umgebung ist, desto eher fällt Müll auf. Ein einzelner Kaffeebecher mitten in der Natur wirkt deshalb besonders störend. Wer dagegen bereits Müll vorfindet, könnte leichter denken: „Auf einen kommt es auch nicht mehr an.“

Genau diese Einstellung sollten wir durchbrechen.

Was man hochträgt, kann man auch wieder hinuntertragen
Der vielleicht einfachste Grundsatz für eine saubere Bergwelt lautet:

Was man hochträgt, kann man auch wieder hinuntertragen.
Eine volle Getränkeflasche ist schwerer als eine leere. Eine volle Chipstüte nimmt mehr Platz ein als die leere Verpackung. Das gilt allerdings nicht als Argument für das Wegwerfen – im Gegenteil: Der Transport des eigenen Mülls wird mit jedem verbrauchten Produkt sogar einfacher.
Wer seinen Rucksack packt, kann dafür einen kleinen separaten Müllbeutel einplanen. Darin landet alles, was unterwegs nicht mehr gebraucht wird. Im Tal wird der Inhalt dann entsprechend entsorgt.

Könnten Wanderer unterwegs sogar Müll einsammeln?
Vielleicht lässt sich aus dem Ärger über herumliegenden Müll sogar etwas Positives machen.
Wer beim Wandern ein Stück Plastik oder einen leeren Kaffeebecher entdeckt und ihn gefahrlos aufnehmen kann, könnte ihn einfach bis zum nächsten geeigneten Entsorgungsort mitnehmen. Nicht als Pflichtprogramm und schon gar nicht als Ersatz für diejenigen, die ihren Müll liegen lassen – sondern als kleines Zeichen dafür, dass jeder etwas für die gemeinsame Umgebung tun kann.

Ein solcher „Pick it up“-Gedanke könnte gerade bei Wandergruppen, Vereinen und Tourenanbietern stärker vermittelt werden: Wenn Sie unterwegs Müll sehen, nehmen Sie ihn mit, sofern es gefahrlos möglich ist, und entsorgen Sie ihn im Tal.
Natürlich muss niemand dafür in unwegsames Gelände steigen oder fremde Hinterlassenschaften anfassen. Sicherheit geht immer vor. Aber eine leere Plastikflasche am Wegesrand lässt sich problemlos aufheben, wenn man ohnehin daran vorbeikommt.

Wie können neue Wanderer besser sensibilisiert werden?
Immer mehr Menschen entdecken das Wandern für sich. Das ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung. Viele dieser Menschen haben jedoch wenig Erfahrung mit alpinen Regionen und wissen nicht automatisch, welche Regeln dort gelten.
Deshalb sollte Umweltschutz beim Wandern nicht als erhobener Zeigefinger vermittelt werden, sondern als Teil eines guten Bergerlebnisses.

Wanderportale, Tourenanbieter, Bergschulen, Hütten, Wandervereine und Gemeinden können bereits bei der Tourenplanung darauf hinweisen: Die Natur, wegen der man in die Berge kommt, soll auch so hinterlassen werden.

Kurze, klare Hinweise sind dabei oft wirkungsvoller als lange Verbotslisten:

  • Kein Müll in der Natur.
  • Keine Aufkleber auf Schildern.
  • Kein Graffiti auf Felsen.
  • Hinterlassenschaften vermeiden und richtig entsorgen.
  • Was Sie mitbringen, nehmen Sie wieder mit.

Das ist eigentlich nicht kompliziert.

Die Berge gehören niemandem – und damit uns allen
Die Alpen sind kein Freizeitpark, dessen Pflege automatisch von einer unsichtbaren Verwaltung übernommen wird. Wege werden von Menschen kontrolliert und instand gehalten, Markierungen angebracht, Hütten bewirtschaftet und Müll eingesammelt.

Wer wandert, profitiert von dieser Arbeit.
Deshalb wäre es schön, wenn jeder Wanderer seinen Teil dazu beiträgt. Nicht nur, indem er keinen Müll liegen lässt, sondern indem er sich bewusst macht, dass sein Verhalten Auswirkungen auf andere Menschen, Tiere und die Landschaft hat.
Vielleicht beginnt das bereits beim Packen des Rucksacks: Eine kleine Mülltüte gehört genauso zur Wanderausrüstung wie Trinkflasche, Regenjacke und Erste-Hilfe-Set.

Und vielleicht gilt beim nächsten Wandertag einfach die Regel: Was ich mitnehme, nehme ich auch wieder mit nach Hause.
Denn wenn wir alle die Berge sauberer verlassen, als wir sie vorgefunden haben, wäre schon viel erreicht.

Auf die Berge, fertig, los!